Schlangenbisse und Katzen

Die meisten Katzen entdecken Schlangen aus reiner Neugier. Das ist ihr Wesen. Aber an warmen Tagen im Frühling und Sommer kann eine solche Begegnung zur Kreuzotter führen, der einzigen gefährlichen Schlange in vielen Teilen Deutschlands. Die gute Nachricht: Katzen überstehen Schlangenbisse meist besser als Hunde. Trotzdem müssen sie als Notfall behandelt werden. Schnelles Handeln zählt.

Wie Kreuzottern beiBen

Kreuzottern (Vipera berus) beißen in der Regel zur Selbstverteidigung, wenn sie überrascht werden, aber sie injizieren nicht immer Gift. Ihr Gift ist wertvoll und wird hauptsächlich beim Jagen eingesetzt. Manche Bisse sind Trockenbisse ohne Gift, aber das lässt sich von außen nicht erkennen. Deshalb gilt: Warte nie ab, ob Symptome auftreten. Gehe immer sofort zum Tierarzt.

Das Gift hat auf kleine Beutetiere eine stärkere Wirkung als auf Katzen, kann aber auch Katzen gefährlich werden. Insgesamt scheinen Katzen Schlangenbisse besser zu tolerieren als Hunde. In den meisten Fällen kommt es nur zu ein paar Tagen Schwellung und Schmerzen an der Bissstelle. In seltenen schweren Fällen sind jedoch Blutungen, Organschäden und Kreislaufversagen möglich. Es gibt wenig wissenschaftliche Daten speziell über Katzen; Tierärzte stützen sich daher auf Informationen von Hunden und Menschen.

So erkennst du einen Schlangenbiss bei deiner Katze

Du wirst den Biss wahrscheinlich nicht sehen. Du bemerkst eher, dass die Katze nach Hause kommt und lahmt oder eine Schwellung am Bein hat. Wenn du die Haut genau untersuchst, kannst du manchmal ein oder zwei kleine Einstichstellen sehen. Achte auf folgende Symptome:

  • Schwellung an Nase, Schnauze oder einem Bein

  • Lahmheit oder Unbeweglichkeit der betroffenen Gliedmaße

  • Schwäche, Lethargie oder Müdigkeit

  • Schmerzen und Empfindlichkeit an der Bissstelle

  • In schweren Fällen: Blutungen in Schleimhäuten und Haut, sehr hoher Puls, Bewusstlosigkeit

Beim Menschen erscheinen Symptome in der Regel innerhalb von 3 Stunden. Zeigen sich nach 8 Stunden keine Symptome, wurde wahrscheinlich kein Gift injiziert. Man geht davon aus, dass das auch für Katzen gilt.

Was zu tun ist

  • Halte deine Katze so ruhig wie möglich, damit das Gift nicht schneller durch den Körper gepumpt wird.

  • Fasse die Bissstelle nicht an. Versuche nicht, das Gift auszusaugen, zu kühlen oder zu massieren.

  • Suche sofort einen Tierarzt auf. Im Zweifel ruf deinen Tierarzt an und lass dich beraten.

  • Ruf den Tierarzt auf dem Weg dorthin an und frage nach Kortison oder Antibiotika, die in manchen Fällen helfen. Gib deiner Katze niemals etwas ohne Rücksprache mit einem Tierarzt.

Wann zum Tierarzt?

Sofort — immer, wenn du einen Schlangenbiss vermutest. In der Praxis bekommt deine Katze häufig Infusionen, Schmerzmittel und eine Überwachung der Herzfunktion. Bluttests überprüfen Blutkörperchen, Blutgerinnung, Leber und Nieren. In bestimmten Fällen wird auch ein Gegengift verabreicht. Nach der Entlassung werden häufig über mehrere Wochen weitere Bluttests vorgenommen. Der Tierarzt empfiehlt in der Regel, im ersten Monat nach einem Biss auf anstrengende Aktivitäten zu verzichten.

Sind Katzen bei Schlangenbissen anders betroffen als Hunde?

Ja. Katzen scheinen Schlangenbisse im Allgemeinen besser zu tolerieren als Hunde und erholen sich in der Mehrzahl der Fälle gut. Trotzdem ist ein Biss ein medizinischer Notfall und sollte stets von einem Tierarzt beurteilt werden.

Meine Katze hat eine Schwellung, aber ich habe keine Schlange gesehen. Könnte es trotzdem ein Biss sein?

Ja, das ist möglich. Katzen streifen oft alleine und der Biss wird selten beobachtet. Eine unerwärtete Schwellung an Bein oder Schnauze in Kombination mit Lahmheit oder Lethargie ist ein Warnsignal. Gehe zur Sicherheit zum Tierarzt.

Was wird der Tierarzt tun?

In der Regel: Infusion, Schmerzlinderung und Herzmonitoring. Bluttests überprüfen die Blutgerinnung sowie die Nieren- und Leberwerte. In einigen Fällen wird ein Gegengift verabreicht. Nach der Entlassung werden Verlaufskontrollen empfohlen.

Ein Schlangenbiss ist kein Grund zur Panik, aber er muss ernst genommen werden. Die meisten Katzen, die schnell Hilfe bekommen, erholen sich gut. Je früher du handelst, desto besser.

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